Trockenheit

Trockenheit und Dürre, deren Folgen und mögliche Anpassungmaßnahmen
  1. meteorologische Trockenheit

    Ausbleibender Niederschlag, erhöhte Verdunstung, Klimatische Wasserbilanz

  2. Folgen der Trockenheit

    Folgen für Böden und Wasserhaushalt, Land- und Forstwirtschaft

  3. Anpassung an die Trockenheit

    Maßnahmen zur Minimierung der negativen Folgen der Trockenheit

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Foto: plimkin/pixabay

Trockenheit und Dürre

Die Ursache für Trockenheit und daraus folgender Dürre ist ein Wasserdefizit. Dieses ergibt sich aus atmosphärischen Parametern wie geringem Niederschlag, Sonnenschein und hoher Lufttemperatur. Mit steigender Temperatur steigt auch die Verdunstung. Ist die Verdunstung höher als der Niederschlag kommt es zu einem Defizit.

Maßgeblich für die Ausprägung der Trockenheit sind die Standortfaktoren wie Boden, Vegetation, Bodenwasserhaushalt. Die Dauer bestimmt den Einfluss auf das System Boden‐Pflanze‐Atmosphäre und kann nach ihren Auswirkungen wie folgt unterteilt werden:

  • meteorologische Dürre (ein bis zwei Monate trockener als üblich),
  • landwirtschaftliche Dürre (zwei Monate und länger trocken, Ernteeinbußen),
  • hydrologische Dürre (ab vier Monate, Grundwasser und Pegel betroffen),
  • sozio‐ökonomische Dürre (ab einem Jahr, Wassermangel bremst produzierende Wirtschaft)

Charakterisierung der atmosphärischen Bedingungen der letzte Jahre

Seit 2018 hat sich in den letzten drei Jahren in weiten Teilen Thüringens ein erhebliches Wasserdefizit  aufgebaut. Die Abweichungen des Niederschlags, der Temperatur und der Sonnenscheindauer im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961-1990 verdeutlicht die meteorologischen Rahmenbedingungen.

2018

Das Jahr 2018 ist als das bisher wärmste und dritttrockenste Jahr in die Geschichte eingegangen. Im Flächenmittel für Thüringen fielen im Sommer 2018 nur knapp 87 Liter Regen pro Quadratmeter. Das sind nicht einmal 60 % des vieljährigen Durchschnitts der Periode 1961‐1990, nach dem es 210 Liter hätten sein müssen. In weiten Teilen Nordthüringens fielen sogar weniger als 30 %. Es war somit der trockenste jemals in Thüringen gemessene Sommer. Gleiches gilt für die gesamte Vegetationsperiode von April bis Oktober 2018.

2020

Das Jahr 2020 zeichnet sich bisher durch wechselnde zu trockene und zu feuchte Monate aus. Dabei folgte einem sehr feuchten Februar mit März, April und Mai drei zu trockene Monate, womit das gesamte Frühjahr 2020 zu trocken ausfiel.

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Abb. 1 Prozentuale Niederschlagsmenge der Vegetationsperiode (April-Oktober) im Vergleich zur Referenzperiode 1961-1990 Datenquelle: Deutscher Wetterdienst; Darstellung: TLUBN

2019

Mit etwas mehr Niederschlag in der Gesamtbilanz im Vergleich zum Vorjahr setzte sich 2019 dennoch die anhaltende Trockenheit mit all ihren Folgen fort. Die Sommermonate Juni, Juli und August waren durchweg zu trocken. Gleiches gilt auch für den Februar und den April. Überdurchschnittlich viel Niederschlag im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 – 1990 fiel nennenswert nur im Januar, März, Mai und Oktober. 2019 war nach 2018 und 2014 das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Darstellung der Temperatur-, Niederschlags- und Sonnenscheinabweichungen finden Sie auf der Startseite von ReKIS Wissen Thüringen.

Klimatische Wasserbilanz

Die Klimatische Wasserbilanz ist die Differenz aus dem Niederschlag und der potentiellen Verdunstung über Gras. Wird sie negativ, ist ein Wasserdefizit erkennbar.

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Abb. 2 Korrigierte Klimatische Wasserbilanz in der Vegetationsperiode 1 (April bis Juni) im Referenzzeitraum 1961-1990
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Abb. 3 Korrigierte Klimatische Wasserbilanz in der Vegetationsperiode 1 (April bis Juni) im Zeitraum 1990-2019
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Abb. 4 Verschiebung der Flächenverteilung der korrigierten Klimatische Wasserbilanz in der Vegetationsperiode 1 (April bis Juni) im Zeitraum 1990-2019 im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961-1990

Insbesondere die für das Wachstum der meisten Pflanzen relevante Zeitraum von April bis Juni, hier als Vegetationsperiode 1 bezeichnet, hat in den letzten 30 Jahren im Vergleich zu den 30 Jahren davor (1961-1990) eine Verringerung der Niederschlagssumme zu verzeichnen.

Im gleichen Zeitraum stieg auch die Verdunstung an. Das ist im Wesentlichen auf die Temperaturerhöhung und die gestiegene Sonnenscheindauer zurückzuführen.

Dieses Zusammenspiel hat zur Folge, dass sich die Verteilung der Klimatischen Wasserbilanz in Thüringen (Abb. 2 bis 4) nahezu vollständig in den negativen Bereich verschoben hat.

Folgen der Trockenheit

Diese Trockenheit hat Folgen für die Wasserversorgung von Böden und Gewässern und damit für Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Auswirkungen waren besonders im Jahr 2018 deutlich zu Tage getreten:

  • Wald- und Flächenbrände
  • Flächendeckende Austrocknung der Böden
  • Ernteausfälle in der Landwirtschaft
  • Schäden im Gartenbau
  • Trockenschäden und Schadinsekten im Wald
  • niedrige Grundwasserstände
  • Stresstest für Trinkwassertalsperren
  • Niedrigwasser, Trockenfallende Fließgewässer
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Feuerwehreinsatz (Foto: Kollinger/pixabay)

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Die Folgen der Hitze und Dürre 2018 sind anschaulich in der Sonderpublikation

„Hitze und Dürre ‐ Thüringen im Extremjahr 2018“

des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz dargestellt.

Handlungsmöglichkeiten und Praxisbeispiele

 

Es existieren zahlreiche Möglichkeiten, wie den sich häufenden und intensivierenden Trockenperioden planerisch und organisatorisch begegnet werden kann, um den Trockenstress und die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Funktionalität des Stadtgrüns in unseren Städten und Gemeinden trotz Klimawandels möglichst gering zu halten bzw. zu minimieren. Die für Thüringer Kommunen besonders bedeutsamen Handlungsmöglichkeiten sowie wichtige Ansprechpartner und Fördermöglichkeiten sind in der nachfolgenden Übersicht zusammengetragen.

Kl_leitfaden_Auswahl_Trockenstress