Unter Klimaprojektion verstehen wir den Klimawandel in der Zukunft. Unterschieden wird zwischen naher Zukunft (2021-2050) und ferner Zukunft (2071-2100).

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Für Analysen die Zukunft betreffend stützen wir unsere Aussagen auf Klimamodellrechnungen.

 

Wir betrachten in der Klimatologie immer einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren, um eine mögliche Veränderungen des Klimas von natürlichen Klimaschwankungen oder aber dem kurzfristigen Wettergeschehen unterscheiden zu können. Als Bezugszeitraum dient immer die klimatologische Referenzperiode 1961-1990.

 

Das Klima in Sachsen-Anhalt wird als überwiegend feuchtwarmes Kontinentalklima bezeichnet. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 8,7 °C. Im Mittel fallen 548 mm Niederschlag über das ganze Jahr. Die Sonne scheint an 1522 Stunden im Jahr. Die höchste jemals gemessene Temperatur wurde am 30. Juni 2019 mit 39,6 ° C in Bernburg registriert. Die kälteste jemals gemessene Temperatur wurde am 1. Februar 1956 mit -28,4 ° C auf dem Brocken festgestellt.

 

Sachsen-Anhalt ist größtenteils von Flachland geprägt. Im Westen erstreckt sich der Harz, auf dessen höchster Erhebung – dem Brocken mit 1141 m – alpines Klima herrscht. Aufgrund der exponierten Lage ist der Brocken einer der windreichsten Orte Deutschlands und sehr niederschlagsreich, da ein Großteil der aus Westen kommenden Wolken dort abregnen. Die südöstlich und östlich des Harzes gelegenen Landesteile gehören damit zur trockensten Region Deutschlands, da im sogenannten Regenschatten des Harzes vergleichsweise wenig Niederschlag fällt.

Klimaprojektion

Für die Zukunft lassen sich keine Aussagen aufgrund von Beobachtungsdaten treffen. Zur Analyse künftiger möglicher Klimaentwicklungen werden Klimamodelle genutzt. Auf Basis der Ergebnisse dieser Klimamodellrechnungen, den sogenannten Projektionen, können mögliche Klimaveränderungen für die Zukunft abgeschätzt werden. Im Anschluss können Risiken und Chancen einer künftigen Klimaänderung bewertet sowie notwendige Anpassungsmaßnahmen an die Klimawandelfolgen abgeleitet werden. Es handelt sich bei den Projektionen im Gegensatz zu Wettervorhersagen jedoch um keine Prognosen.

RCP-Szenarios

Quelle: Global Carbon Project

Entscheidende Ausgangsbasis für die Klimamodellierung bildet die zukünftige globale Entwicklung der Treibhausgasemissionen. Dabei sind unterschiedliche Annahmen über den demographischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Wandel bis zum Jahr 2100 zu treffen.

Aufgrund der Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten dieser Annahmen erfolgte eine Bündelung dieser Annahmen in Entwicklungspfade (Pathways), den sogenannten Klimaszenarien.

Für den fünften Sachstandsbericht (AR5) des Weltklimarates (IPCC) wurden vier Klimaszenarien (Representative Concentration Pathways – RCP-Szenarien) zur Abschätzung der zukünftigen Klimaentwicklung erarbeitet (RCP2.6, RCP4.5, RCP6.0 sowie RCP8.5). Jedem Szenario kann eine entsprechende Temperaturzunahme zum Ende des Jahrhunderts zugeordnet werden.

 

Für Sachsen-Anhalt liegen aktuell erste Auswertungen für die Klimavariablen Temperatur und Niederschlag für das sogenante „Weiter-wie-bisher“-Szenario (RCP8.5) und dem „Klimaschutz“-Szenario (RCP2.6) vor. Betrachtet werden zwei verschiedene Zeiträume. Zum einen die nahe Zukunft von 2021 bis 2050 und zum anderen die ferne Zukunft von 2071 bis 2100, jeweils im Vergleich zur klimatologischen Referenzperiode 1961 bis 1990.

Dem „Weiter-wie-bisher“-Szenario (RCP8.5) liegen globale Annahmen zugrunde, die nach wie vor von steigenden Kohlendioxidemissionen bis 2100 ausgehen. Dem „Klimaschutz“-Szenario (RCP2.6) werden u. a. massive Emissionsminderungen bis Ende des Jahrhunderts unterstellt. Eine globale Reduktion an Treibhausgasen ist bereits ab 2021 vorgesehen und notwendig; der Höchststand soll 2020 erreicht und dann überwunden werden! Das Szenario entspricht einem der vom Weltklimarat in Paris 2015 (COP21) im Klimaschutzübereinkommen gesteckten Ziele, wonach die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C bis Ende des Jahrhunderts begrenzt werden soll.

Es handelt sich also um einen pessimistischen und einen optimistischen Ansatz.

Zusammenfassung

Diese unterschiedlichen Annahmen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen für Sachsen-Anhalt. Zwar muss für beide Szenarien aufgrund der Trägheit des Klimasystems bis Ende des Jahrhunderts (2071-2100) mit einer Temperaturerhöhung im Mittel gegenüber dem Referenzzeitraum 1961-1990 gerechnet werden. Jedoch fällt diese Erwärmung für das RCP2.6 mit 1,1 bis 2,2 Kelvin wesentlich moderater aus als die mit dem RCP8.5 projizierte Erwärmung von 3,4 bis 5,2 Kelvin. Dies zeigt, dass sich mit wirksamen (globalen) Klimaschutzmaßnahmen eine Beschränkung der Temperaturzunahme erreichen lässt.

 

 

Für den Jahresniederschlag zeigt sich (ebenfalls 2071-2100) ein differenzierteres Bild. Die Spannbreite der projizierten Niederschlagsänderung bewegt sich für das RCP2.6 zwischen -1 % bis +9 %. Für das „Weiter-wie-bisher“-Szenario liegt die Spanne der Änderungssignale bei -7 % (Niederschlagsabnahme um 7 %) bis +16 % (Niederschlagszunahme um 16 %). Sowohl für das RCP2.6 als auch für das RCP8.5 werden für den Sommer Niederschlagsabnahmen projiziert, für den Winter muss mit einer Zunahme von Niederschlägen gerechnet werden.

 

Die Ergebnisse basieren auf dem Mitteldeutschen Referenzensemble. Detaillierte Informationen dazu finden Sie unter Modellgrundlagen.

RCP 2.6 – das "Klimaschutz"-Szenario

Für Sachsen-Anhalt zeigen die Modellprojektionen für den Zeitraum 2021 – 2050 eine Erwärmung von 1,0 bis 2,1 Kelvin gegenüber dem Referenzzeitraum 1961-1990. Für die ferne Zukunft (2071 – 2100) projizieren die Modelle eine Erwärmung von 1,1 bis 2,2 Kelvin.

Für die Jahresniederschläge ist mit keiner Änderung bzw. einer leichten Zunahme zu rechnen. Die Sommerniederschläge weisen im Mittel eine Tendenz zur Abnahme auf, währenddessen im Winter mit einer leichten Zunahme zu rechnen ist. Eine Verschiebung der Niederschläge vom Sommer- zum Winterniederschlag ist damit zu erwarten.

  1. Temperatur

    Für die nahe Zukunft liegt die Bandbreite der zu erwartenden Temperaturänderung bei 1,0 bis 2,1 Kelvin. Der Median weist über alle Projektionen eine Temperaturzunahme von 1,3 K gegenüber 1961 bis 1990 aus. Für die ferne Zukunft verändern sich diese Werte aufgrund der Tatsache, dass diesem Szenario massive globale Klimaschutzmaßnahmen ab 2020 unterstellt werden, nur wenig. So liegt die Bandbreite der projektionen für 2071 bis 2100 bei 1,1 bis 2,2 Kelvin (Median unverändert bei 1,3 K).

  2. Jahresniederschlag

    Für den Jahresniederschlag ergibt sich für die nahe Zukunft eine Bandbreite der projizierten Änderung von -2 % bis +9 % (Median +3 %). Für die ferne Zukunft wird eine Anomalie von -1 % bis +9 % im Vergleich zur Referenzperiode projiziert (Median +2 %).

  3. Sommerniederschlag

    Für den Sommerniederschlag (Juni, Juli, August) wird für die nahe Zukunft eine Änderung von -14 % bis +3 % zu erwarten sein (Median -6 %). Die Bandbreite der Änderungssignale für die ferne Zukunft liegt bei -13 % bis +6 % (Median -5 %).

  4. Winterniederschlag

    Die Werte der modellierten Änderung der Winterniederschlagssummen (Dezember, Januar, Februar) bewegen sich für die nahe Zukunft zwischen +3 % und +18 % (Median +10 %). Die Änderungsbandbreite für die ferne Zukunft liegt bei - 1 % bis +14 % (Median +8 %).

RCP 8.5 – das "Weiter-wie-bisher"-Szenario

Wie zu erwarten war sind die zukünftig möglichen Änderungen für Sachsen-Anhalt auf Basis von Modellrechnungen mit dem RCP8.5 wesentlich tiefgreifender als mit dem RCP2.6 projiziert. Der Erwärmungstrend liegt für die nahe Zukunft (2021 – 2050) mit 1,4 bis 2,5 K noch im Bereich der mit RCP2.6 projizierten Temperaturänderung. Bis zum Ende des Jahrhunderts (2071 – 2100) zeigt sich jedoch eine Temperaturzunahme von 3,4 bis 5,2 Kelvin gegenüber dem Referenzzeitraum 1961 bis 1990.

 

Für das RCP8.5 zeigen die Modellrechnungen (analog RCP2.6) für die Änderung der Jahresniederschläge keinen eindeutigen Trend. Die Tendenz der Verschiebung der Niederschläge vom Sommer zum Winter setzt sich fort. Insbesondere für die ferne Zukunft werden für die Sommerniederschläge Abnahmen zu erwarten sein. Für den Winter ist vor allem für die ferne Zukunft mit einer Zunahme der Niederschlagssummen zu rechnen.

  1. Temperatur

    Für die nahe Zukunft liegt die Bandbreite der zu erwartenden Temperaturänderung bei 1,4 bis 2,5 Kelvin (Median über alle Projektionen 1,7 K) gegenüber 1961 bis 1990. Im Gegensatz zum RCP2.6 zeigen sich für das „Weiter-wie-bisher“-Szenario gravierende Veränderungen für die ferne Zukunft. Die Bandbreite der projizierten Änderungssignale liegt bei 3,4 bis 5,2 Kelvin (Median 3,9 K).

  2. Jahresniederschlag

    Der Jahresniederschlag weist für die nahe Zukunft eine Anomalie von -3 % bis +11 % (Median +4 %). Die Bandbreite des Änderungssignals für die ferne Zukunft liegt bei -7 % bis +16 % im Vergleich zum Referenzzeitraum (Median +3 %).

  3. Sommerniederschlag

    Für den Sommerniederschlag wird für die nahe Zukunft eine Änderung von -18 % bis +6 % projiziert (Median -6 %). Für die ferne Zukunft sind gravierende Änderungen von -38 % bis +5 % zu erwarten (Median -17 %).

  4. Winterniederschlag

    Für den Winterniederschlag bewegen sich die Werte der modellierten Änderung für die nahe Zukunft zwischen +3 % und +20 % (Median +12 %). Die Änderungsbandbreite für die ferne Zukunft liegt bei erheblichen +7 % bis +33 % (Median +22 %).