Beobachteter Klimawandel in Thüringen

Entwicklung des Klimas bis heute: 1990-2019 im Vergleich zu 1961-1990

Temperaturanstieg von über einem Grad Celsius sowie eine Verschiebung der saisonalen Niederschläge bestimmt die Klimaentwicklung in den letzten 30 Jahren. Ausgewählte Karten und Daten geben einen Überblick zum Klimawandel in den letzten 30 Jahren im Freistaat Thüringen. Datengrundlage sind die Stationsmessdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), bezogen auf die gesamte Fläche Thüringens.

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Das Klima

ist der mittlere Zustand der dynamischen Prozesse der Atmosphäre eines bestimmten Gebietes. Definiert wird der Zustand durch mit meteorologischen Mitteln bestimmten Größen wie z. B. Lufttemperatur, Luftdruck, Windgeschwindigkeit und Windrichtung, Luftfeuchte, Bewölkung und Niederschlag inklusive ihrer jährlichen Schwankungen. Dafür ist ein ausreichend langer Zeitraum von mindestens 30-jährigen Zeitraum notwendig.

Das Klima wird durch statistische Eigenschaften wie Mittelwerte, Häufigkeiten, Andauerverhalten und Extremwerte der meteorologischen Größen charakterisiert.

Von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wurde der Zeitraum 1961 bis 1990 als Referenzperiode zur Beurteilung des langfristigen Klimawandels festgelgt. Die aktuelle Klimaentwicklung der letzten 30 Jahre 1990 bis 2019 kann somit im Bezug auf diesen Zeitraum beurteilt werden.

Lufttemperatur

Am deutlichsten wird die Veränderung des Klimas an der Zunahme der Lufttemperatur. In den letzten 30 Jahren beträgt die Temperaturzunahme bereits 1 °C (vgl. Karten Jahresmitteltemperatur 1961-1990 und 1990-2019). Diese Veränderungen sind relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt, wobei der Herbst eine verhältnismaßig geringe Temperaturzunahme zu verzeichnen hat. Demgegenüber sind die Temperatursteigerungen im April und August bereits bei +1,5 °C angekommen. Darauf folgen Januar und Juli mit +1,4 °C. Der Sommer ist mit +1,3 °C die Jahreszeit mit dem größten Temperaturanstieg.

Seit 1990 erreichten 28 von 30 Jahren eine überdurchschnittliche Mitteltemperatur. Die letzten sechs Jahre waren die vier wärmsten Jahre seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen. Das bisher wärmstes Jahr war 2018 mit 9,9°C, gefolgt von 2014 und 2019 mit 9,8 °C, 2015 war mit 9,5 °C immernoch knapp 2 Grad wärmer als der Referenzzeitraum 1961-1990 mit 7,6 °C.

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Abb. 3 Abweichung der Jahresmitteltemperatur Thüringens seit 1881 vom 30-Jährigen Mittel des Referenzzeitraums 1961 bis 1990 (Datengrundlage: DWD, Erstellung: TLUBN, Ref. 72)

Während sich die mittlere Summe des Jahresniederschlags (um den windbedingten Messfehler korrigiert) in den beiden genannten Zeiträumen kaum verändert hat (1961-1990: 770 mm pro Jahr; 1990-2019: 779 mm pro Jahr), ist eine Veränderung der Niederschlagsverteilung innerhalb des Jahres zu beobachten.

Tab. 1   Niederschlag in den Vegetationsperioden in Thüringen

korrigierter Niederschlag in mm
Zeitraum Minimum Mittel Maximum
Vegetations-periode 1 (Apr.-Jun.) 1961–1990 152 221 355
1990–2019 145 189 299
2019 101 166 263
Vegetations-periode 2 (Jul.-Sep.) 1961–1990 143 198 320
1990–2019 167 226 371
2019 89 156 309

Das Frühjahr und besonders die Monate April und Juni wurden in den letzten 30 Jahren trockener. Der Zeitraum April, Mai, Juni, hier auch als Vegetationsperiode 1 bezeichnet, hatte in den letzten 30 Jahren 189 mm Niederschlag (Vergl. Karten korrigierter Niederschlag in der Vegetationsperiode 1 1961-1990 und 1990-2019). Im Referenzzeitraum waren es noch 32 mm mehr Niederschlag. Demgegenüber hat der Niederschlag in der Vegetationsperiode 2 (Juli, August und September) um 28 mm zugenommen (vgl. Tabelle 1 Niederschlag in den Vegetationsperioden) Im letzten Jahr waren beide Vegetationsperioden mit 55 mm weniger bzw. 42 mm weniger Niederschlag zu trocken.

Monatlicher Klimabericht - aktuelle Witterung in Bezug auf die Referenzperiode 1961-1990

Die Klimaagentur des TLUBN veranschaulicht in ihrem monatlichen Klimabericht anhand von Grafiken und Karten die Witterungsverhältnisse des letzten Monats bzw. der letzten meteorologischen Jahreszeit. Dabei werden die Klimagrößen mittlere Lufttemperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer des letzten Monats ins Verhältnis zur Referenzperiode 1961-1990 gesetzt. Somit ist eine klimatologische Einordnung der aktuellen Witterung in den Kontext des langfristigen Klimawandels möglich. Ein Indiz für außergewöhnliche Hitze oder Trockenheit ist die überschreitung der Grenzen der zehn bisher wärmsten oder trockensten Monate.

T_08_2020_ot
Abb. 6: Jahr 2020: Temperaturanomalie, Flächenmittel Thüringen Monate, Jahreszeiten, Vegetationsperiode, Jahr Referenzzeitraum: 1961-1990
Datenquelle: DWD; Auswertung und Darstellung: TLUBN
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Abb. 7: Abweichung der Niederschlagsmenge im meteorologischen Sommer (J/J/A) 2020 vom vieljährigen Mittel der Referenzperiode 1961-1990 Datenquelle: DWD; Auswertung und Darstellung: TLUBN